Die rote Linie ist jetzt:
Kein Krieg mit Russland
Europa redet wieder nur über Krieg. Deshalb müssen wir heute festlegen, wo Gehorsam endet, nicht erst, wenn die ersten Befehle erteilt und Menschen gestorben sind.
Europa rüstet auf. Politiker sprechen von Verteidigungsbereitschaft, Medien von russischer Bedrohung, Streitkräfte bereiten sich auf mögliche Konflikte vor. Krieg ist wieder Teil unseres politischen Alltags geworden.
Genau jetzt braucht es eine rote Linie:
Wir wollen keinen Krieg mit Russland.
Wer einen Krieg für notwendig hält, muss dafür überprüfbare Tatsachen vorlegen. Geheimdienstinformationen, behauptete Angriffe und Schuldzuweisungen dürfen nicht ungeprüft zur Kriegsbegründung werden. Propaganda ersetzt keine Beweise, und Angst ist kein Freipass für rechtswidriges Handeln.
Das gilt besonders für die Schweiz. Unsere Armee zählt rund 146’700 eingeteilte Armeeangehörige. An ihrer Spitze steht eine vergleichsweise kleine Zahl (63) Höherer Stabsoffiziere. Dieses Verhältnis zeigt etwas Entscheidendes:
Die Spitze kann befehlen. Einen Krieg führen kann sie allein nicht.
Die offizielle Armeeauszählung 2025 weist 16’286 Offiziere insgesamt aus. Darunter waren am Stichtag 63 Höhere Stabsoffiziere; daneben 3’315 Stabsoffiziere, 3’306 Hauptleute und 9’602 Subalternoffiziere. Die aktuelle Definition der Armee ist wichtig: Als HSO gelten Brigadiere, Divisionäre und Korpskommandanten.
Damit ergibt sich ungefähr: 63 HSO : 16’223 übrige Offiziere = 1 : 258.
Beziehst du es auf die gesamte Armee, wird das Verhältnis noch extremer: Am 1. März 2025 waren 146’718 Angehörige in Formationen eingeteilt. Das entspricht grob 1 HSO auf 2’329 Armeeangehörige.
Jeder trägt persönliche Verantwortung
Dazu braucht sie die gesamte Befehlskette: Kommandanten, Offiziere, Unteroffiziere und Soldaten. Und jeder Einzelne trägt persönliche Verantwortung. Das Schweizer Militärgesetz setzt dem Gehorsam deshalb eine klare Grenze: Verlangt ein Befehl von einem Armeeangehörigen ein Verhalten, das nach Gesetz oder Völkerrecht strafbar ist, wird er nicht ausgeführt. Punkt!
Ein strafbarer Befehl bleibt strafbar – unabhängig davon, wie hoch der Rang seines Urhebers ist.
Genau darin liegt eine der wichtigsten friedlichen Sicherungen gegen militärischen Machtmissbrauch. Keine Gewalt. Keine Selbstjustiz. Keine eigenmächtige Machtübernahme.
Sondern:
- Strafbare Befehle nicht ausführen.
- Nicht rechtswidrig weitergeben.
- Vorgänge dokumentieren.
- Beweise sichern.
- Justiz- und Kontrollorgane einschalten.
Eine kleine Führungsspitze kann Zehntausende Menschen nicht persönlich in einen Krieg führen. Militärische Macht funktioniert nur, wenn Menschen auf jeder Ebene Befehle tatsächlich umsetzen.
Deshalb müssen Soldaten und Offiziere ihre Verantwortung kennen, bevor eine Krise eskaliert.
Kein Krieg aufgrund ungeprüfter Behauptungen. Kein Krieg aufgrund von Täuschung. Kein strafbares Handeln aus blindem Gehorsam. Das ist keine Schwächung unserer Armee. Es ist die Stärke einer rechtsstaatlichen Armee. Die rote Linie muss vor dem ersten Schuss stehen.
Und sollte eines Tages tatsächlich ein Befehl ergehen, der von Schweizer Soldaten strafbares Handeln verlangt, muss die Antwort dort erfolgen, wo dieser Befehl auf einen Menschen trifft, der sich an das Recht hält:
Bis hierhin. Und keinen Schritt weiter.